Ich gebe zu: der Titel dieses Textes ist ein wenig geschwindelt. Denn Borussia Dortmund steht nicht vor dem Start in die Saison, sondern ist seit Ende Juli bereits mittendrin in der Spielzeit.
“Schuld” daran sind die Qualifikationsspiele fĂŒr die Europa League. Mit dem 1:0-Auswartsssieg â beim Wolfsberger AC – RĂŒckkehrer Jonas Hofmann traf schon nach 16 Minuten – hatten die Borussen eine gute Ausgangslage fĂŒr das RĂŒckspiel eine Woche spĂ€ter im Westfalenstadion geschaffen.
In Ăsterreich konnte der BVB in der ersten Halbzeit ĂŒberzeugen, ehe nach dem Seitenwechsel wieder das altbekannte Gesucht gezeigt wurde: umstĂ€ndliches Spiel, fehlende Konsequenz im Abschluss und SchlafmĂŒtzigkeit in der Defensive.
Am vergangenen Donnerstag gab es dann im ersten Heimspiel unter Neu-Trainer Thomas Tuchel einen – zumindest in der zweiten Halbzeit – ĂŒberzeugenden BVB, der dank Treffer von Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang und eines Hattricks (!) von Henrikh Mkhitaryan mit 5:0 gewinnen konnte und damit in die Play Offs am 20. und 27. August 2015 eingezogen ist.
Miki, Bier, Borussia – so fasst es Nick zusammen und Patrick meint: Mchitarjan â im dritten Anlauf zum BVB-Star. Ich war ebenfalls happy:
https://twitter.com/Ostwestf4le/status/629387320408457222
Der Gegner in den beiden Spielen ist der Odds BK aus Norwegen. Das erste Spiel findet in Skandinavien statt, das RĂŒckspiel dann im Westfalenstadion. Ein erfolgreiches Abschneiden vorausgesetzt, wĂ€re die Gruppenphase in der Europa League damit in greifbare NĂ€he gerĂŒckt.
Insofern kann der Start in die Saison bislang als geglĂŒckt bezeichnet werden.
Das Trainingslager und die Testspiele
Allerdings gilt zu bedenken, dass die Dortmunder vor dem ersten Spiel in der Qualifikation erst wenige Tage zuvor aus einem intensiven Trainingslager zurĂŒckgekehrt sind, das unter anderem einen 4:1-Sieg gegen den FC Luzern und als SahnehĂ€ubchen ein bemerkenswertes 2:0 gegen Champions League-Finalist Juventus Turin geliefert hat.
Auch insgesamt kann sich die Bilanz sehen lassen. In sechs Testspielen gab es fĂŒnf Siege und nur eine Niederlage (ausgerechnet ein 1:2 gegen Zweitligist und Reviernachbar VfL Bochum). Doch auch hier gilt: Testspiele sind Testspiele und definitiv nicht ĂŒberzubewerten. Schon ein bekannter Borusse wusste: entscheidend is’ auf’m Platz (und im Pflichtspiel).
So sieht es auch Patrick: Tuchels Training trĂ€gt erste FrĂŒchte.
Die Neuen bei Borussia Dortmund
Nachdem der BVB in den vergangenen Jahren auf dem Transfermarkt mÀchtig zugeschlagen hat, sind die Westfalen in diesem Sommer eher defensiv vorgegangen.
Torwart Roman BĂŒrki vom SC Freiburg sowie die beiden Mittelfeldspieler Julian Weigl vom TSV 1860 MĂŒnchen und Gonzalo Gastro von Bayer Leverkusen – mehr als diese drei Neuen sind nicht verpflichtet worden. AuĂerdem streifen Moritz Leitner (nach zwei Jahren Leihe vom VfB Stuttgart) und Jonas Hofmann (zurĂŒck vom FSV Mainz) wieder das schwarz-gelbe Trikot ĂŒber.
Vom Ex-Freiburger erhoffen sich die Borussen mehr Konstanz im Tor – auch wenn Tuchel den Kampf um den Platz um die Nummer Eins zwischen den beiden Romans (Weidenfeller & BĂŒrki) noch nicht fĂŒr entschieden erklĂ€rt hat. Weigl ist auf der AuĂenbahn genauso einsetzbar wie Allzweckwaffe Castro, der als Nachfolger von Sebastian Kehl eine wichtige Rolle spielen kann.
Die Einkaufspolitik der Dortmunder kann als maĂvoll bezeichnet werden. Der erwartete Umbruch in der Mannschaft ist allerdings trotz der Transfers von Ciro Immobile (ausgeliehen an den FC Sevilla), Milos Jojic (1. FC Kön) und Mitch Langerak (VfB Stuttgart) bislang ausgeblieben.
Es ist zudem wichtig, dass SchlĂŒsselspieler wie Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang, Mats Hummels, Ilkay GĂŒndogan und Henrikh Mkhitaryan an Bord geblieben sind und damit die Mannschaft weiterhin maĂgeblich prĂ€gen können.
Der neue Trainer von Borussia Dortmund
Kommen wir zum Trainer. Seit seiner Vorstellung im Juni ist Thomas Tuchel genauso neugierig wie kritisch beĂ€ugt worden. Was kann der Neue, was sind seine PlĂ€ne und wie kann er in die FuĂstapfen von seinem berĂŒhmten und erfolgreichen VorgĂ€nger treten?
Eins vorab: Thomas Tuchel ist Thomas Tuchel. Er ist kein JĂŒrgen Klopp und er hat nicht den Anspruch, den sieben Jahre in Dortmund ĂŒberwiegend (sehr) erfolgreichen Klopp zu imitieren. Tuchel wird nach und nach seine ganz eigene Philosophie entwickeln und damit die Mannschaft prĂ€gen.
Schon wenige Tage nach seinem Start hat der ehemalige Mainzer Trainer intensive und gute GesprĂ€che mit den Keyplayern der Mannschaft gefĂŒhrt. Mats Hummels, Henrikh Mkhitaryan und auch Ilkay GĂŒndogan waren anschlieĂend beeindruckt von dem Neuen und haben ĂŒberzeugt von seiner Idee vom erfolgreichen Spiel berichtet.
Gewiss sind die sieben Ă€uĂerst erfolgreichen – und an Titel reichen – Jahre in der Ăra Klopp eine groĂe Hausnummer und Herausforderung fĂŒr Thomas Tuchel. Ich traue ihm aber zu, aus dem Schatten des VorgĂ€ngers herauszutreten und fĂŒr neue “Vollgas-Veranstaltungen” zu sorgen. Vielleicht nicht sofort und nicht in dieser Saison. Doch mittelfristig kann es ein erfolgreiches Projekt werden.
Quo vadis, Borussia Dortmund?
Trotz der unter dem Strich ungefĂ€hrdeten Siege in der Europa League ist eine Standortbestimmung fĂŒr die Borussia aktuell noch schwierig. Trainer Tuchel hat bereits erste taktische Duftmarken gesetzt – die AuĂenverteidiger spielen weiter vorn als unter JĂŒrgen Klopps Ăgide – und auch einige Spieler sind ins Rampenlicht gerĂŒckt, die nicht unbedingt jeder sofort auf dem Zettel hatte.
Ich bin gespannt, wie sich Julian Weigel und Jonas Hofmann in der Bundesliga bewĂ€hren und inwiefern Henrikh Mkhitaryan seiner dritten Saison in Westfalen endlich den Stempel aufdrĂŒcken kann. Zu wĂŒnschen ist es insbesondere dem Armenier allemal.
Am Sonntag in Chemnitz geht es im DFB-Pokal um eine Pflichtaufgabe. Sechs Tage spÀter steht im Topspiel am ersten Spieltag der Bundesliga im Westfalenstadion mit der Borussia vom Niederrhein eine erste BewÀhrungsprobe auf dem Programm. Dann wird sich zeigen, wie weit die Mannschaft unter Trainer Thomas Tuchel bislang gekommen ist.
Wo landet Borussia Dortmund am Ende der Saison?
Eine erste belastbare EinschĂ€tzung der StĂ€rken und SchwĂ€chen von Borussia Dortmund im zweiten Halbjahr 2015 lĂ€sst sich seriös erst nach den ersten fĂŒnf Spieltagen abgeben. Die Duelle gegen Gladbach, in Ingolstadt, gegen Hertha BSC Berlin, in Hannover und gegen Bayer Leverkusen werden zeigen, wie weit der BVB ist und was in dieser Saison möglich ist.
Anders als in den Jahren zuvor wage ich mich in dieser Spielzeit an eine kurzfristige und abschlieĂende Saison-Prognose.
Meine Prognose: Borussia Dortmund holt aus den ersten fĂŒnf Spielen neun Punkte (U – S – S – U – U) und landet am Ende der Saison auf Platz 4 bis 7.

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